Online Lesekreis

Am Sonntag, den 2. November 2020 startete der erste anthro.world online Lesekreis mit dem Thema Theosophie. Inzwischen sind wir bei der 53. Folge und es kamen noch 2 weitere Lesekreise hinzu, die Philosophie der Freiheit von Rudolf Steiner, sowie zum Thema der Dreigliederung das Buch Kernpunkte der sozialen Frage (vor 3 Wochen abgeschlossen). Die Anzahl der Teilnehmer hat sich so auf ca. 4-7 Menschen eingependelt- und das erweist sich als recht gut so.

Zuvor kannte ich nur „konventionelle Lesekreise“, wo man brav und manchmal auch etwas steif zusammen sitzt. Aber die online Zusammenkunft hat auf ihre Art etwas Besonderes, etwas Verspieltes. Ich will es nicht werten, will nicht sagen, das online besser sei, aber es hat aus meiner Sicht eine eigene Daseinsberechtigung, und es wäre kurz gegriffen zu sagen, dass es eine Notlösung sei.

Stichwort Datenschutz, Urheberrechte, Rechte am eigenen Bild usw.: Wer hier aktiv am anthro.world Lesekreis teilnimmt, muss sich klar sein, dass man als Person gesehen und stimmlich gehört wird. In der Öffentlichkeit. Weil ja alles „gnadenlos“ aufgezeichnet wird, mitunter live übertragen und im Nachgang im sozialen Medien zu sehen sein wird. Damit muss man persönlich umgehen können.

Warum machen wir die online-Lesekreise nicht im Privatmodus? Weil sich die Teilnehmer bewusst nicht nur in eigener Sache engagieren, sondern sich auch für andere Menschen „ins Schaufenster setzen“. Damit auch deren Anliegen und innere Fragen angeregt werden können. Somit ist man als Teilnehmer auch Botschafter und Multiplikator.

Wie fachlich- und sachlich wertvoll sind die hier dargebotenen Inhalte? Ich würde sagen, das ganze Spektrum ist vertreten. Manche Aussagen und Passagen sind genial und mit Weisheit und Wissen durchtränkt. Aber es wird auch mal Quatsch gesprochen, mit und ohne Absicht. Unser Anspruch ist aber nicht elitär zu sein, wir legen Wert auf Lebendigkeit in der Begegnung. Anthroposophie darf und muss sogar Freude machen, sonst gelangt sie nicht vom Verstand ins Herz. Und was wäre die Lehre von der Weisheit des Menschen Wert, wenn wir uns nicht immer und immer bemühen würden uns im Lesekreis menschlich zu begegnen? Das Streben nach dem gemeinsamen Entstehungsprozess ist uns sympathischer als die Diskussion um das Recht haben.

Eigene Stimme einsetzen- laut Vorlesen: Bitte nicht versuchen in verschwurbelter Weise ein 100 Jahre altes Deutsch nachzustellen- das ist nicht natürlich. Und es sollen auch nicht nur die vorlesen, denen das leicht fällt oder die eine besonders schöne Stimme haben. Die Idee ist die eigene Stimme in Klang und Wirkung zu erleben und daran zu wachsen. Ob man gut lesen kann, oder seine liebe Müh‘ damit hat- darauf kommt es hier nicht an. Es ist eher so wie das Erlebnis auf einer guten Party. Man war nur wirklich dabei, wenn man auch mal selber getanzt hat.

Unser Ideal ist die horizontale Hierarchie. Aber wie soll man Augenhöhe haben, wenn z.B. Wolfgang bei den Lesekreisen dabei ist? Wolfgang, welcher ja seit Jahrzehnten von Kopf bis Fuß in der Anthroposophie steckt. Der kann ja gar nicht gleich sein wie ein Anfänger. Oder? In der Tat weicht auch unsere Wirklichkeit manchmal ab von unserem Ideal. Und obschon Wolfgang für seine Verhältnisse um Zurückhaltung bemüht ist, ist er recht häufig besonders als Wort- und Denkführer wahrnehmbar. Aber das geschieht auch ein Stück weit unbewusst und automatisch auf Seiten der Teilnehmer mit geringerer anthroposophischer Seniorität. Weil man sich mit dem Bewusstsein ein Anfänger zu sein, nicht in jeder Sekunde um vollste Aufmerksamkeit und geistige Regsamkeit bemüht, wenn ein besonders Sachkundiger Mensch zu gegen ist. Ich habe das selber mal in einem „echten“ Lesekreis erlebt. Da war „der Häuptling“ einmal nicht da. Und wir, „die Indianer“, wussten in teilweise langen Augenblicken nicht wirklich wie es weiter geht. Aber irgendwann war die Unsicherheit überwunden, und alle wurden regsam und es wurde ein toller Lesekreisabend. Ganz egal ob Menschen mit viel oder wenig Vorerfahrung teilnehmen. Das beste ist eh, wenn dem vorliegenden Text mit einer bewusst naiven, offenen, interessierten Grundeinstellung begegnet wird. So als wäre es das erste mal.

Wenn du gerne beim online Lesekreis teilnehmen möchtest, dann frag bitte bei François im Vorfeld an: lesekreis@anthro.world. Wir schauen dann, ob und wie es passen kann.

François Hagdorn, 13. Dezember 2021

Theosophie

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Die Kernpunkte der sozialen Frage

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Die Philosophie der
Freiheit

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Der Landwirtschaftliche
Kurs (GA 327)

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