12. Vortrag zur Apokalypse des Johannes (Dokumentation)

Von Dr. Wolfgang Peter

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Datum des Vortrags:

Zusammenfassung

Von Mithörer B. G.

Wir stehen bei der Gemeinde von Sardes, die eine Vorausschau ist auf unsere gegenwärtige Kulturepoche, wir stehen erst im ersten Drittel dieser 5. Kulturepoche, es liegt noch einiges vor uns, Aufgabe dieser Epoche ist die Entwicklung der Bewusstseinsseele, d. h. wir entwickeln ein anderes Bewusstsein als in der griechisch-lateinischen Zeit, erst recht in der ägyptischen Zeit, moderne Form des Bewusstsein, das stark ausgeprägte Gegenstandbewusstsein. Das sehr nüchterne rationale Denken, das gibt es erst in unserer Kulturepoche, die erste Hälfte des ersten Drittels diente vor allem dazu das Bewusstsein nach außen zu richten, zu erwachen an der sinnlichen Welt und zugleich nach Innen in der rationalen Welt zu erwachen. Dieses Denken, das wir heute haben unterscheidet sich vom griechischen Denken insofern, als das griechische Denken noch viel stärker gemüthaft war, d. h. sehr eng mit etwas Gefühlhaften verbunden war. Heute ist das weitgehend getrennt voneinander, zumindest dort, wo wir auf der Höhe der Entwicklung stehen. Heute Denken – Fühlen – Wollen als drei stark separierte Seelenkräfte, die waren früher mehr miteinander verbunden, d. h. der Wille war viel intelligenter, ohne dass uns das bewusst war, es war Fühlen immer in gewisser Weise dabei, mehr als Emotion im Hintergrund. Heute können wir das trennen voneinander. Das hat ein Plus und ein Minus. 

Das Minus ist, dass das Denken sehr herzlos werden kann, streng logisch nach Zahlen, Daten, Fakten, ohne Mitgefühl für die Natur, für die Mitmenschen, aber es hat den Vorteil, dass es sich im Idealfall nicht von eigenen Gefühlen (Sympathien/Antipathien) beeinflussen lässt, wissenschaftlicher Ansatz, rein sachlich, es keine Rolle spielen darf, ob mir die Ergebnisse sympathisch sind oder nicht. Wir brauchen aber diese Klarheit des Denken auch, um zu einer bewussten geistigen Erkenntnis zu kommen, das ist der nächste Schritt der uns bevorsteht, die Aufgabe der zweiten Hälfte des ersten Drittels dieser Epoche, die es jetzt zu entwickeln gilt, ein Bewusstsein nicht nur für die sinnliche Außenwelt zu haben, sondern auch für die geistige Welt. Ganz konkret, d. h. geistige Begegnung mit geistigen Wesenheiten. 

Das beginnt damit, dass wir uns selbst als geistige Wesenheit bewusst erleben lernen, nicht nur philosophisch darüber spekulieren, was der Geist des Menschen sein könnte, sondern zu einem ganz konkreten geistigen Erleben unseres eigenen ICHS kommen. Das bereitet sich im Menschenleben in Stufen vor. Im dritten Lebensjahr sagt das Kind zum ersten Mal Ich zu sich, wenn man den Moment bewusst erlebt ist das ein sehr erstaunliches Erlebnis, sich bewusst als Ich zu erfassen, die Tatsache etwas ganz eigenständiges zu sein. In Etappen wiederholt sich dieser Impuls. Im 21. LJ. noch ein besonderes Aufwachen, mit zunehmenden Lebensalter kann sich dieses Ich-Bewusstsein noch stark steigern. R. Steiner hatte etwa im 18. Lebensjahr eine entscheidende ICH-Erfahrung, von der er einem Freund berichtet hat. Dieser Dinge wollen wir auf die Spur gehen.

Zur Einleitung: das Kapitel zur Sardes vorlesen, weil da alle Punkte drinnen stehen, die uns heute betreffen. Es wird sehr klar angesprochen, obwohl es eine Kulturepoche war, die für Johannes in der Zukunft liegt. Entwicklungen verlaufen nicht regellos, zufällig, sondern es steht ein System dahinter. Es ist nicht genau vorherbestimmt, aber es ist eine Entwicklungsrichtung da. Es hängen anfängliche Ereignisse mit späteren gesetzmäßig zusammen. Gerade was sehr früh am Anfang sich spiegelt, sei es in der Menschheitsentwicklung, sei es in der individuellen Entwicklung, also was das Kind betrifft in den ersten Lebensjahren, das spiegelt sich dann am Ende des Lebens. Das ICH – Erlebnis als Kind im dritten Lebensjahr, kann sich gegen Ende des Lebens sehr verdichten. Beim Kind kommt es praktisch wie von selbst zustande, das Kind kann das nicht bewusst herbeiführen, im höheren Alter kann man das bewusst herbeiführen, wir steuern das ganze Leben lang auf diesen Moment zu, das stärkste ICH-Erlebnis, das Bewussteste, das Wachste ICH-Erlebnis ist der Moment des Todes in Wahrheit. Unsere Leiblichkeit hilft uns zwar nicht zum ICH, aber zum ICH-Bewusstsein zu kommen, unser Ich-Bewusstsein, das wir auf Eden haben, das haben wir nur durch unsere Leibeshüllen, 1) physisch, 2) ätherisch (Lebensleib, Lebenskräfte), 3) astral = Astralleib, der Träger des Seelischen. Unser Bewusstsein erwacht gerade daran, indem wir die Leibeshüllen abtöten, es sind die Absterbe-Impulse, die uns zum Bewusstsein führen. Das ist der Punkt, warum der Tod letztlich eintritt. Es ist eine Folge dieser Impulse. Daher erscheint es logisch, dass beim größten Absterbe-Prozess der größte Bewusstseins-Impuls da ist. Der ist so stark, dass wir diesen Impuls mitnehmen, die ganze Zeit, wenn wir durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt gehen. Von daher kommt dieses Bewusstseinslicht. Der Punkt ist, dass wir irgendwann soweit sein müssen, dass wir dieses Bewusstseinslicht im Geiste halten können, ohne später wieder durch eine irdische Inkarnation durchzugehen. Das ist der Lernprozess, den wir durchmachen, während unserer Erdentwicklung. Daher hat die Apokalypse sehr viel damit zu tun, die Etappen, die Stufen zu zeigen, bis wir so weit sind, dass wir dieses ICH-Bewusstsein, das wir mit Hilfe unserer Leibeshüllen gewonnen haben, dass wir das ohne diese Leibeshüllen erreichen können, d. h. das ICH in sich selbst sich seiner bewusst werden kann. Das ist die große Schwierigkeit. 

„Und an den Engel der Gemeinde zu Sardes schreibe: Es spricht zu euch, der Macht hat über die sieben göttlichen Schöpfergeister und die sieben Sterne. Ich durchschaue dein Tun. Du hast den Namen eines lebendigen Wesens und bist doch tot. Strebe danach, in deinem Bewusstsein zu erwachen und erkrafte, was in deiner Seele noch lebendig ist, damit es nicht auch noch erstirbt. Ich kann dir nicht bestätigen, dass dein Tun vor dem göttlichen Angesicht volle Wirklichkeit besitzt. Belebe in dir die Erinnerung an alles, was du aus den geistigen Welten empfangen und gehört hast. Pflege es in dir und wandle deinen Sinn. Wenn du nicht zu einem höheren Bewusstsein erwachst, so werde ich wie ein Dieb kommen. Du wirst nicht wissen zu welcher Stunde ich über dich komme. Einige wenige Namen hast du jedoch in Sardes, die ihre Gewänder nicht befleckt haben. In weißen Gewändern werden sie meine Pfade gehen. Dessen sind sie würdig. Wer überwindet, soll in gleicher Weise mit weißen Gewändern bekleidet werden und ich werde seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buche des Lebens. Ich will mich zu seinem Namen bekennen vor dem Angesichte meines Vaters und vor seinen Engeln. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist zu den Gemeinden spricht“. 

Der letzte Satz: damit ist nichts anderes ausgedrückt, als dass der Text dieser Offenbarung des Johannes aus der Inspiration stammt. Es ist nicht das äußere Hören gemeint, es sind nicht die äußeren Ohren gemeint, sondern die geistigen Wahrnehmungsorgane, durch die sich uns das, wie in einer verständigen Sprache enthüllt, was wir geistig schauen. Das geistige Schauen = Imagination = eine Art bildhaftes Erleben im übertragenen Sinn, nicht sinnlich, daher nicht ganz mit Traumbildern vergleichbar, weil da auch sinnliche Reste drinnen sind, sondern ein rein seelisch erlebtes Bild, also gewoben ist aus Sympathie/Antipathie-Kräften, aus dem Verbinden mit geistigen Wesenheiten und dem sich Zurückziehen auf die eigene geistige Wesenheit. Das ist ein hochdifferenziertes Erleben, das sich mit der menschlichen Sprache, die wir jetzt haben, überhaupt nicht ausdrücken lässt, außer man übersetzt es in sinnliche Bilder. Daher, wenn Imaginationen geschildert werden und daran Erklärungen angeknüpft werden, überträgt man sie immer in sinnliche Bilder. 

Sie werden heute beim hochentwickelten Hellsehen nicht automatisch in sinnlicher Form erlebt, also übersetzt, das war aber beim alten Hellsehen der Fall, da wurden die Imaginationen automatisch immer in traumartige sinnesähnliche Bilder übersetzt. Wenn man es heute auch noch so erlebt, und es nicht eine bewusst herbeigeführte Übersetzung ist, dann ist die Gefahr sehr groß, dass man einer Halluzination erliegt. Das ist sehr ungesund. Daher sind viele moderne esoterisch-geistige Wege, die sehr schnell zu Imaginationen kommen, die beruhen immer darauf, dass solche sinnesähnliche Bilder erregt werden, das ist aber heute sehr ungesund, zwar sehr verführerisch, weil du kannst mit zwei Übungsstunden zu so einem Erlebnis kommen, es wird zwar mit der Zeit wieder schwieriger zu solchen Erlebnissen zu kommen, anfangs aber scheinbar beeindruckende Erlebnisse. Aber man hat keine Ahnung was sie bedeuten, meist sind sie schon Spiegelungen von seelisch-geistigen Tatsachen, aber Tatsachen, die nur uns selbst betreffen, sich aber wie eine seelische Außenwelt wiederspiegeln. In Wahrheit ist es das eigene Ego, das man sieht, wo auch stark drinnen sind eigene unterbewusste seelische Wünsche und Bedürfnisse, also jedenfalls ein sehr verzerrtes Bild, das führt sehr leicht in die Irre, vor allem wenn man sich Antworten erwartet für den eigenen Lebensweg, dann ist die Gefahr, dass das eigene Ego dadurch gestärkt wird aber nicht das wirkliche ICH. 

Ein moderner geistiger Entwicklungsweg muss ganz darauf hingehen, dass das ICH die Herrschaft übernimmt und wir das Ego dadurch aus einer höheren Warte betrachten können. Es wird sehr problematisch, wenn das Ego diese Warte einnimmt, weil dann richten wir das Erleben nach sehr irdischen Bedürfnissen des Egos aus, nach irdischem Wohlbefinden aus. Dagegen ist nichts zu sagen, aber das ist nicht das Ziel der geistigen Entwicklung, wir sollen sehr wohl Wohlbefinden, Freude und Lust in einem sinnlichen Sinn erleben können, aber das Wesentliche ist, dass es uns etwas sagt über das Geistige, das dahinter steht, das aber das Eigentliche ist, weil dieses Geistige können wir mitnehmen. Was wir hier nur an Sinnlichem oder am Sinnlichen erregtes Seelisches erleben, das können wir nicht mitnehmen, das hat keinen bleibenden Wert. 

Was ist das Geistige des Menschen? Was ist das Seelische des Menschen? Was ist das unsterblich Seelische des Menschen? Es ist nämlich nicht von vorneherein gesagt, dass das Seelische etwas Unsterbliches ist und für die Zukunft erhalten bleibt. Wenig von dem Seelischen hier auf Erden können wir wirklich mitnehmen. Das sind alles Dinge, wo wir heute mit einer sehr bewussten Geisteswissenschaft tiefer eindringen können in Rätselfragen, die die Weisen und Philosophen schon seit langer Zeit bewegen. Zumindest seit der Zeit, wo sie nicht mehr ein zwar noch auf altem Hellsehen beruhendes, aber doch ein geistiges Wissen hatten aus diesen Eingebungen, die aber nicht mit dem ICH verbunden waren, sondern die ihnen geschenkt wurden. Heute wird uns dieses geistige Wissen nicht mehr nur geschenkt, sondern wir müssen uns erheben zu diesem geistigen Erlebnis. Wir nehmen dann etwas wahr, was aus der geistigen Außenwelt kommt, aber wir müssen uns erheben. 

Früher war es so, dass sich dieses Geistige auf uns herniedergesenkt hat unter Umgehung des ICHS. Bei der ägyptischen Epoche, bei der ägyptischen Einweihung wurde ganz bewusst das ICH, das damals noch ganz schwach war, noch nicht wirklich präsent war, ausgeschaltet, weil es noch viel zu schwach war, um aus eigener Kraft in das wirklich höhere Geistige einzudringen. Damals in der alten Zeit war es gerade dann der Fall, wenn ich das ICH ausgeschaltet habe, dann konnte sich die geistige Welt zu mir hernieder neigen, konnte meine Seele durchdringen und ich konnte dann wirkliche objektive geistige Erkenntnis erwerben bis zu einem gewissen Grad, konnte sie auch zu einem Verständnis bringen mit einer gewissen Schulung, es war auch eine Inspiration da, in einzelnen Fällen auch eine Intuition. Intuition heißt mit geistigen Wesen, die ich erlebe, identisch werden. Eins werden und mich trotzdem selbst nicht verlieren, ich komme wieder zu mir zurück, ohne mich zu verlieren und auch das andere geistige Wesen besteht weiter. Das ist eine hohe geistige Erfahrung, die nicht einmal bei Johannes vollständig da ist. Es sind Ansätze dazu da. Das Großartige bei Johannes war die stark ausgeprägte Inspiration („wer Ohren hat, der höre, was der Geist zu den Gemeinden spricht“). Er will mit dem, was er spricht, die Inspiration bei den Menschen auslösen, die ihm zuhören, vielleicht seine Schriften lesen, es ist ein Übungsbuch, zur Inspiration zu kommen. 

Was wir heute mit einer bewussten Geisteswissenschaft anstreben ist einerseits ganz bewusst durch eigene Tätigkeit sich zu einer sinnlichkeitsfreien Imagination zu erheben, d. h. zu einer geistigen Wahrnehmung, die so konkret aber anders als die Sinneswahrnehmung im seelisch-geistigen Bereich, und das Zweite, das unbedingt dazu kommen muss, die Inspiration, die uns dieses Bild deutet und erklärbar macht. R. Steiner spricht oft davon, dass es um „die Fähigkeit des Lesens der geistigen Schrift“ geht, damit meint er, man kann Inspiration auch so auffassen, dass ich in den Bildern, die ich imaginativ geschaut habe, lesen lerne, was sie bedeuten, insbesondere wenn ich sie aus gewissen Gesichtspunkten ansehe. Man kann nämlich Imaginationen von sehr vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachten und sehr verschiedene Deutungen herauslesen, die in Wahrheit zwar alle miteinander zusammenhängen, aber doch in jeder bestimmten Situationen, ist aber dann nur eine bestimmte Deutung wirklich gültig. Das erklärt, warum manchmal R. Steiner sehr oft Dinge in einem Vortrag auf diese Weise schildert und in einem andern Vortrag auf eine andere Weise, obwohl dieselbe Imagination, dasselbe Symbol dahinter steht. Das ist bei der Apokalypse des Johannes auch der Fall. 

Wenn wir von den 7 Gemeinden sprechen, in denen sich die 7 Kulturepochen spiegeln, dann ist das ein möglicher Blickpunkt. Man kann aber die 7 Stufen im Grunde auf alle Entwicklungsprozesse beziehen, weil alle Entwicklungsprozesse vollziehen sich in 7 Stufen. Die Siebenzahl ist etwas ganz charakteristisches für die zeitliche Entwicklung, mit der vierten Stufe als die Mitte, um die sich alles spiegelt, die erste spiegelt sich in der siebten, die zweite spiegelt sich in der sechsten, die dritte in der fünften Stufe, die vierte Stufe ist die Mitte, um die sich alles dreht, genau der Punkt an dem wir stehen. Der Augenblick, der Moment der Gegenwart, der im Grunde gar nicht fassbar ist, der existiert gar nicht, weil kaum ist er da, ist er gleich wieder weg ist. Da stoßen Vergangenheit und Zukunft aneinander, das Gewordene, das wir hinterlassen, das Werdende, das noch vor uns liegt. Da ist der entscheidende Punkt. Da ist auch der Punkt, wo unser ICH sich seiner selbst bewusst wird. Auch das wäre ein Aspekt, zu sehen, wie sich unsere künftigen Entwicklungsmöglichkeiten, an dem was wir bereits geworden sind, spiegeln und in dem Moment taucht unser ICH-Bewusstsein auf. Aus dem, was wir schon geschaffen haben, abgelegt haben, hinter uns gelassen haben und in dem was wir noch gar nicht ahnen, was aber aus der Zukunft an Möglichkeiten auf uns zukommt, die aber auch in unserem ICH drinnen stecken. Wir sind immer der Schnittpunkt, die Schnittlinie zwischen Vergangenheit und Zukunft. So ist es bei allen Entwicklungsprozessen, alles was jetzt im Moment passiert, ist immer der Schnittpunkt aus dem bereits Gewordenen und dem was noch werden kann. Es ist immer ein breiter Fächer der möglich ist,  darin wählen wir aus. 

Wir müssen uns, wenn wir heute unser ICH-Bewusstsein entwickeln wollen in der Bewusstseinsseele, da geht es besonders um unser ICH-Bewusstsein, das ist das Zentrum des Ganzen, dann müssen wir einerseits sehen, was haben wir bereits abgelegt, hinter uns gelassen, das ist die Vergangenheit, aber wohin geht die Zukunft? Die lässt sich nämlich aus der Vergangenheit nicht ableiten, sondern die muss in jedem Moment neu geschaffen werden. In jedem Moment. Das ist das Wesen des menschlichen ICH, dass es sich selbst in jedem Moment neu schafft, in jedem zeitlosen Moment. Das ICH ist etwas Geistiges, es ist das Geistige schlechthin, man kann daher nicht mal sagen, es existiert, so wie Gegenstände existieren, wie Ätherkräfte existieren, oder Seelenkräfte, sondern es IST nicht, es WIRD beständig, bevor es etwas Festes wird, ist es schon wieder verflogen, es ist immer ein neues Werden drinnen. Darum dieses schöne Bild, das die Alchemisten gerne verwendet haben: der Phönix, der aus der eigenen Asche steigt, da ist etwas, was aus der Schlacke, der Asche, die bleibt zurück, ersteht, in Feuer aufgeht, dieses Feuer ist dieser geistige Blitz, der Moment, wo der Phönix wie bei einem Blitzstrahl wieder im Feuer verbrennt, ein Brennen für einen Moment (keinen Zeitraum), in diesem zeitlosen Moment, in dem nur ist es drinnen, dann rieselt schon wieder die Asche hernieder, aus demselben entsteht wieder dieser prächtige Vogel, man könnte sagen, der Vogel ist das Seelische, das wir rund um das ICH bauen, dann zerstrahlt es schon wieder, das ICH löst das Ganze auf, dann erneuert es sich wieder, geht endlos weiter. 

In unserem Seelenleben tun wir dasselbe, das Seelische, die Seelengestalt wird mit erneuert, aber so dass es in seiner Gestalt, die es gewonnen hat immer wieder erneuert wird und weiterentwickelt wird, das ist das, was unser Seelisches ausmacht, unser wirkliches Seelisches. Im Zentrum ist das ICH, das eigentlich nicht ist, sondern immer nur wird, dieses ICH baut ein Seelisches, das auch ständig im Fluss ist, wie dieser Vogel Phönix erzeugt wird und wieder zerfällt, unser ganzes Leben lang. Genau genommen beschreibt dieses Bild des Phönix unser Seelisch-Geistiges, so wie wir es während unseres Erdenlebens haben, da passiert ununterbrochen genau das. Da stehen wir jetzt an der Grenze, wo die Verstandestätigkeit, die wir aus der griechisch-lateinischen Zeit mitnehmen, im Grunde nicht mit kann. Das Verstandesdenken, das wir in der griechisch-lateinischen Zeit gewonnen haben, das ist zwar aus einem alten Hellsehen heraus entstanden, es ist der letzte Rest davon, aber zum Schluss ist es hineingestorben in die abstrakte Logik. In etwas, das nur mehr Scheingebilde ist. Am Anfang der griechischen Philosophie, da wirken noch real geistige Kräfte herein, jetzt, was der heutige Intellekt ist, ist es nur mehr reines Spiegelbild. Ein letztes Spiegelbild von etwas Vergangenem. Es spiegelt sich im Verstandesdenken immer die Vergangenheit drinnen, d. h. dieses Verstandesdenken kann nicht kreativ sein, kann grundsätzlich nicht kreativ sein. Dass es bei wissenschaftlicher Tätigkeit Gott sei Dank gelegentlich zu etwas Kreativen kommt, was übrigens selten genug passiert, liegt darin, dass da etwas anderes hineinspielt. Da kommt ein Element hinein, das nicht aus dem Verstand abgeleitet ist, sondern das etwas Neues impulsiert. Das wird dann wieder bearbeitet mit dem Verstand. Die Bearbeitung kann man dann in Datenbanken niederlegen, den schöpferischen Moment selber kann man nicht fassen. Bei wirklichen Entdeckungen kommt etwas Neues rein, hinter jeder wissenschaftlichen Entdecken steht ein geistiges Erlebnis dahinter, das aber dem Forscher aber meist unbewusst bleibt, eine Imagination, die mit einer leisen Inspiration verbunden ist, weil sonst würde er das Bild, das er vielleicht ganz unterbewusst erlebt hat, nicht fassen können, was es bedeutet. 

Bei allen großen Forschern kann man das finden, entscheidend waren immer unbewusste Impulse, die ziehen sich durchs Leben durch und werden immer stärker. Eine Imagination geht in bestimmten Lebensepochen immer wieder durch und beginnt sich immer mehr zu klären. Da spielt das äußere Grübeln eine Rolle, die Gedanken kreisen, dann unbewusst oder höchstens traumbewusst wieder dieses Erlebnis und wieder eine Inspiration, das hilft ihm den Verstand in eine richtige Richtung zu lenken und es äußerlich beschreiben zu können. Als Schlacke bleiben die Verstandesbegriffe übrig, das liegt in den Bibliotheken und Datenbanken. Das war bei Isaak Newton der Fall. Einstein war kein großer Mathematiker in der Schule, mathematisch war er nur durchschnittlich, dann die Krönung seines Lebenswerks, die Allgemeine Relativitätstheorie, Grundidee war vom Einstein, aus einem fast traumartigen Erlebnis entstanden, die Umsetzung in die Formel war die Knochenarbeit, die Verstandesarbeit, aber die Imagination hat ihn geleitet, die hat dem David Hilpert gefehlt, ein Bild. Als Kind hat Einstein sich schon vorgestellt, wie ist das, wenn ich auf einem Lichtstrahl reite? Diese Bild hat ihn ein Leben lang verfolgt. Aus dem ist dann die spezielle Relativitätstheorie entstanden, auch die Arbeit über den lichtelektrischer Effekt, wo er die Quantennatur des Lichts nachgewiesen hat, Licht strahlt nicht einfach vor sich hin, es ist ein Lichtimpuls. Eigentlich Lichtblitze. 

Licht hat etwas Wesenhaftes, das war ihm nicht bewusst, jeder Lichtstrahl ist in Wahrheit eine geistige Individualität, das ist es auch, aber von dem hat Einstein nichts geahnt, der Kosmos und die wunderbare Ordnung war für ihn identisch mit Gott, die Weisheit des Kosmos ist für ihn das Göttliche. Theorie war höchst abstrakt, aber ein geistiger Impuls war da, sie ist aus einem geistigen Impuls entstanden, die Formel ist das Abgestorbene, die Schlacke. Die Physiker können es aber heute nicht weiter entwickeln, da sind sie gescheitert daran, es gibt viele Hypothesen, wie man weitertut, aber etwas Griffiges ist nicht da. Dazu bräuchte es einen weiteren geistigen Impuls, darauf warten wir noch. Die Physik ist drauf und dran das alte materialistische Weltbild aufzulösen, für die Physik ist es klar, die Materie, wie man sich das vorgestellt hat, gibt es nicht, selbst die Grundbausteine der Materie, die Elementarteilchen gibt es nicht, es gibt nur Erscheinungen, die hereinblitzen, die kann ich messen, fotografieren, Spuren, die die Erscheinungen hinterlassen, aber das sind nur Wirkungen, die zurückbleiben, die gewissen Gesetzmäßigkeiten folgen. 

Diese Wirkungen sind in Wahrheit etwas, was aus dem Geistigen kommt, teilweise auch aus dem Ahrimanischen, was als das Körperliche erscheint, da werden diese Wirkungen eingefroren. Sind aber Illusionen. Die Wirklichkeit sind die Wirkungen, d. h. die geistigen Kräfte dahinter. Auch in der äußeren Forschung, die heute im Zentrum unseres Bewusstseinsseelenzeitalters steht, gibt es keinen Fortschritt ohne geistige Impulse, ohne unterbewusste oder halbbewusste geistige Wahrnehmungen. Daher sind Naturforscher, die führend sind, prädestiniert dafür ans Geistige heranzukommen. Es ist ein Weg der weitergegangen werden muss, sodass sich die Forscher im Laufe der nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte sich dieser geistigen Impulse wach bewusst werden. Dann stehen sie unmittelbar im Geistigen drinnen. Dann werden sie erkennen, dass dort die Wirklichkeit zu suchen ist und nicht in dem, was als äußere Schlacke zurückbleibt. Es ist gut die Gesetze zu beschreiben, wir finden sie in der äußeren Welt. Aber Gesetze sind die Schlacke, sind die Asche des Phönix und nicht das geistige Wesen, das aufersteht. 

In unserem Zeitalter geht es vor allem darum, dass unser Denken ein völlig anderes werden muss, das von dem Abgestorbenen weggeht, man muss es nicht ganz verlieren, es kann als Fähigkeit da bleiben, wir brauchen es. Aber darüber hinaus ein schöpferisch lebendiges Denken, das schöpft aus der Wirklichkeit, aus der geistigen Welt, bewusst schöpft, das was große Forscher unbewusst machen, bewusst machen, dann komme ich zu geistigen Begegnungen. Wolfgang Pauli, Physiker des 20. Jahrhunderts, auf dem Gebiet der Quantentheorie, ein Impuls dafür kam von Einstein, der später die Quantentheorie total abgelehnt hat, weil er geklärt hat, Licht kommt als Lichtteilchen, als Impuls, eigentlich als Lichtwesen. Erstmals hat Max Planck im 19. Jhdt. Lichtquanten eingeführt, als rechnerisches Prinzip, er hat nie gedacht, dass es eine Realität sein könnte, aber Einstein hat bewiesen, dass nicht nur eine physikalische Realität sondern eine geistige Realität dahintersteht. Pauli war Quantenphysiker, es hat dazu beigetragen, dass wir heute verstehen wie die chemischen Elemente aufgebaut sind, hängt mit Atombau zusammen, aber in Wahrheit sind Atome auch keine Gegenstände sondern Wirkungen, in diesen Wirkungen gibt es Gesetzmäßigkeiten, die der Pauli erkannt hat. Das Pauli-Prinzip. Er war ein sehr intellektuell ausgerichtet, aber einer, der im Hintergrund Imaginationen hatte, die sind in seinem Lebenslauf immer stärker heraus gekommen und immer bewusster geworden. Er sagte: „Ich bin antimetaphysisch getauft“, „Ich bin ein rational denkender Mensch“, aber er hatte auch diese Imaginationen, die wurden immer stärker, er war ein absolut theoretischer Physiker, Experimente haben ihn nicht interessiert. Ihn hat nur das berechnen interessiert. Er war Österreicher, gestorben 1958, geboren 1900, interessantes Datum, weil da die geisteswissenschaftliche Vortragstätigkeit R. Steiners anfängt.
 
1900 beginnt ein neues lichtes Zeitalter. Das Kali-Yuga ist abgelaufen, während dieser Zeit wurde die Geisteserkenntnis, die geistige Wahrnehmungsfähigkeit im Wesentlichen ausgelöscht, es gab Reste, die weitergewirkt haben, aber für die meisten Menschen wurde es ausgelöscht, damit der Mensch seine eigenen seelischen Fähigkeiten entwickeln kann. Das Kali-Yuga beginnt kurz vor der ägyptisch-chaldischen Epoche, fängt laut R. Steiner exakt 3201 vor Chr. an, damals ist innerhalb von Wochen in großen Teilen der Menschheit die Hellsichtigkeit der Menschen erloschen, die Bewusstseinsverfassung der Menschheit war schlagartig verändert. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die seelischen Wesensglieder des Menschen (das Seelische) schon vorgebildet und in gewisser Weise in Funktion, aber die eigentliche Entwicklung beginnt erst in der ägyptisch-chaldäischen Zeit, die 200-300 Jahr nach 3200 beginnt. Diese Verdunklung des Hellsehens war Voraussetzung, dass sich das entwickeln kann, was wir heute unser Seelisches nennen. Diese Seelenentwicklung hängt zusammen mit unserem ICH, das ICH wird langsam darin immer stärker wirksam. Die Seelenentwicklung beginnt so, dass dieser Seelenraum zunächst dumpf ist, aber erhellt wurde durch die geistigen Blitze des ICH, die kommen immer häufiger, die verändern diesen Innenraum, wie ein finsterer Innenraum im Menschen, der sich durch Blitze von innen zu erhellen beginnt und zugleich das wachere Gegenübertreten der Außenwelt tritt ein, das hat sich schon angekündigt in der urpersischen Zeit, jetzt in der ägyptischen Zeit wird es deutlicher, von außen kommt immer deutlicher die sinnliche Außenwelt herein. In der vorhergehenden Epoche gab es ein bewusstes sinnliches Erleben, die Organe gab es natürlich schon länger, aber dass man seelisch mit Hilfe dieser Organe erleben kann eine Außenwelt, das hängt zusammen dass man zuerst ein Erleben einer Innenwelt hat, die zunächst noch ganz dunkel ist, das beginnt jetzt bei den Ägyptern so richtig. Bei den Persern ist das noch ganz anders, sie erleben die Außenwelt anders, die Religion von Licht und Finsternis kommt aus dieser Zeit der Perser, der Gegensatz des lichten Ormuts mit dem dunklen Ahriman, das hatte zur Folge, dass sie beginnen eine Außenwelt zu erleben, aber sie erleben die Außenwelt als Gegensatz von Licht und Dunkel, das erste das sie erleben ist das helle Sonnenlicht bei Tag und den finsteren Nachthimmel mit den Sternen, das ist das erste Erleben der Perser, durch den Rest der sinnlichen Außenwelt sind sie genauso instinktiv gegangen wie die Menschen vorher. 

Es gab Menschen vorher, der Homo habilis benutzte Werkzeuge, der erste Werkzeuggebrauch geht auf etwa 3 Mio. Jahre zurück, die konnten geschickt damit umgehen ohne dass sie sich vom Bewusstsein her als Wesen von der Außenwelt unterschieden hätten. Er hat einen Stein genommen, aber das Erleben war völlig etwas anderes als bei den späteren Menschen, er hatte ein reiches Seelenleben, aber es war kein Innenleben. Es war ein Leben in Imaginationen. Er war Teil einer imaginativen Welt, in seiner Seele war er Teil der Seelenwelt, was er als Geist erlebt hat, waren die geistigen Wesenheiten, die ihn umgeben haben. Sich selbst als ein ICH hat er nicht empfunden, er ist verschmolzen mit dem Bewusstsein dieser geistigen Wesenheiten um ihn herum, Geisterfüllung, ähnlich dem Bewusstsein der heutigen Engelwesenheiten, sein Bewusstsein war ausgefüllt von dem, was an Geistigem über ihm ist, keine räumliche Unterscheidung zwischen innen und außen. Nichts dergleichen. 

Das hält lange an, bis in der urpersischen Zeit das Erleben beginnt, der helle Tag, die Sonne, die Sonne als Zentrum des Strahlenden und Schatten am Boden als Gegensatz und in der Nacht tiefschwarzer Himmel, wo es aber auch Lichtpunkte gibt. Bei Tag ist es Ormut, der alles erleuchtet, bei Nacht ist es der finstere Ahriman, der rundherum ist.  Wenn man diesen dunklen Himmel erlebt, man muss sich vorstellen, es gab noch kein elektrisches Licht, es gab zwar das Feuer, aber sonst kein künstliches Licht. Wo die Nächte so dunkel waren, dass man nicht sieht, wo der Himmel in die Erde übergeht. Es ist Eins. Peter mit 22. LJ mit Gattin auf Kreta im Ida-Gebirge, dort so stockdunkel, wo hört der Himmel auf, wo fängt die Erde an? Scheinwerfer aus, stockdunkel, der Himmel, der Boden, keine Berge sichtbar, nur die Sterne, so groß wie Feuerräder. Das Bild von Van Gogh´s Sternennacht, in der Wüste kann man das sehr gut erleben. 

Beim Übergang von der persischen in die ägyptischen Zeit, jetzt beginnt ein ganz anderes Seelenerleben, ein Innenerleben, das ist zuerst im Inneren ganz dunkel, es blitzt ab und zu, da ist etwas in mir, ich erlebe etwas, ich weiß nicht was es ist, keine Ahnung noch. Als Gegenschlag dazu taucht die Sinneswelt auf, nicht nur in Schwarz/Weiß sondern langsam auch in Farben, in Schattierungen. Am Anfang der urpersichen Zeit etwa im 6. Jahrtausend v. Chr. fängt es so an und mit der Zeit geht es über, dass man beginnt die Welt in stärkeren Konturen zu erleben, aber in Schwarz/Weiß, in Graustufen, nicht in Farben. Der Mensch hatte zu der Zeit die Fähigkeit Farben bewusst wahrzunehmen, aber noch nicht ausgeprägt. Wenn man sich die Evolution ansieht, Fische und fischähnliche Neunaugen, Pentachromaten, d. h. sie haben 5 verschiedene farbempfindliche Sinneszellen auf der Netzhaut, die helfen ihnen die Lichtwelt in sehr differenzierter Weise wahrzunehmen. Mit der Zeit der Entwicklung nimmt die Zahl der unterschiedlichen Rezeptoren ab, bei den Wirbeltieren, Reptilien, Amphibien bis zu den Sauriern, da gibt es Vermutungen, das waren Tetrachromaten, also 4 verschiedene Farbrezeptoren, dann geht es weiter zu den modernen Säugetiere, die sind fast alle nur Bichromaten (zwei Farbrezeptoren), sehr schlechte Farborientierung, sie orientieren sich nach hell/dunkel, erst beim Menschen taucht langsam wieder ein zusätzlicher Farbrezeptor auf, wir sind also Trichromaten. Ausnahme bei Frauen, die manchmal Tetrachromaten sein können, trotzdem keine wesentlichen Vorteile, weil die Informationen können nicht gesondert ins Bewusstsein weitergegeben werden. 

Wir Menschen sind Trichromaten, d. h. wir sind zu einem gewissen Farbsehen vorherbestimmt. Es beginnt mit einem Schwarz/Weiß-Sehen, geht über in ein Farbsehen, selbst die Griechen hatten eine gewisse Blaublindheit, sie waren empfänglicher für Rot/Gelb/Grün-Töne, aber Blautöne nicht, z. B. die Farbe Purpur, rotviolett, war für die Griechen nur dieses „Prächtige“, aber nicht als Farbe da, weiße Schwäne = „purpureus“, nicht die Farbe spielt die Rolle bei der Namensgebungm sondern die prächtige Wirkung, die davon ausgeht. Die Ägypter hatten wahrscheinlich eine leichte Empfindungen für die Blautöne, die die Griechen nicht hatten, das ist abweichend, geht nicht immer so systematisch. Aber es taucht auf, die Welt in Farben zu erleben, aber erst in der ägyptischen Zeit. Jetzt kommen zu den Konturen die Farben ins Bewusstsein, zu den Graustufen, die die Perser erlebt haben kommen jetzt die Farben dazu im Bewusstsein. 

Im Hintergrund immer auch da ist etwas in mir, aber es ist noch dunkel. Da beginnt die Unterscheidung Innen/Außenwelt. Mit dieser Innenwelt beginnt das Seelische im eigentlichen Sinn. Vorher ist es ein Seelen-Leibliches, damit ist ein Bewusstsein verbunden, es ist im Astralleib drinnen, aber es ist noch nicht das wirklich Seelische. Nicht diese Abgrenzung als eigene Innenwelt. Das Seelische, das ich früher irgendwo in der Außenwelt erlebt habe, jetzt ist irgendetwas in mir. Eine kleine Seelenwelt in mir ist da. Im Gegenzug dazu erwacht auch die Außenwelt. Die Außenwelt wird bunter. Innenwelt und Außenwelt bedingen einander. Das ist für die heutige Zeit sehr wichtig, weil die ägyptische Zeit spiegelt sich in unserer. Wir haben die Aufgabe heute das auf eine andere Ebene zu heben. Die vierte Stufe, die griechisch-lateinische Zeit bildet die Mitte, alles andere spiegelt sich darum. Die dritte ägyptische Epoche spiegelt sich in unserer fünften Epoche, d. h. wir haben einiges aufzuarbeiten von dem, was bei den Ägyptern begonnen hat. Bei den Ägyptern hat die eigentliche Seelenentwicklung begonnen mit der sogenannten Empfindungsseele. Die Empfindungsseele ist das, was uns einerseits ein Bewusstsein für eine sinnliche Außenwelt gibt und andererseits für eine dumpfe Innenwelt. Aus dieser dumpfen Innenwelt beginnen langsam Emotionen aufsteigen, Gefühle ist schon etwas veredeltes, es steigt etwas auf, das ist noch sehr dunkel in der ägyptischen Zeit. Heute sind sie überschäumend, sie waren damals sicher auch überschäumend und ungezähmt, weil man sie nicht bewusst fassen konnte. Gerade die Aufgabe Emotionen zu zähmen, nicht zu ertöten, ist eine wesentliche Aufgabe unserer Zeit heute. 

In der ägyptischen Zeit geht es darum, diese Emotionen, also diese blinden astralischen Kräfte, die herauskommen, die Begierdenhaft sind, aus dem Triebhaften kommen, sie haben zu tun mit unmittelbaren Lebensbedürfnissen, Wachstumstrieb, Fortpflanzungstrieb, ursprünglich etwas ganz Reines, wir sprechen ja auch bei der Pflanze von einem Trieb, ein Ausdruck der Lebenstätigkeit, in dem Moment, wo es beginnt ins Seelische hineinzuspielen, fängt es an dabei Lust oder Leid zu erleben. Lust, wenn er sich entfalten kann, Leid, wenn er gehemmt wird. Und es entfaltet sich im Astralischen vor allem die Begierde, mehr von dem Lustvollen zu erleben. In der ägyptischen Zeit war man sich bewusst, dass man das zähmen aber vor allem bekämpfen muss.
 
Aus der Zeit kommt der Stierkult. Die ägyptische Kultur stand im Sternzeichen des Stieres. Stierkräfte die aus der Tiefe herauskommen. Aber die Triebe müssen in Zaum gehalten werden, vielleicht sogar bekämpft werden, abgetötet werden, weil sie einen dunklen Level im Inneren erzeugen, es bleibt alles dumpf, das Begierdenhafte ist in Wahrheit dumpf. Wenn ein Mensch ganz von seinen Begierden getrieben ist, dann ist er nicht ganz wach bei sich, dann treibt ihn etwas. Er ist dann mit dem Bewusstsein nicht wirklich klar dabei. Stierkampf in Spanien ist letzter Rest, den Stier bezwingen = die eigenen Triebkräfte bezwingen. In Kreta, die Mänoer: Stierspiele, der Einzuweihende musste sich in eleganter Form über die Hörner des Stieres schwingen, das haben nicht alle überlebt, aber in der ägyptischen Einweihung war das auch oft so, auch dort ist ein nicht so kleiner ein Teil der Einzuweihenden umgekommen bei den Prüfungen, Prüfungen, die härteste körperliche Anforderungen gestellt haben, ganz bewusst schrittweise den Einweihungsschüler steigern in Richtung Lebensgefahr, bis die große Einweihung kam und ihn für 3,5 Tage in einen todesähnlichen Schlaf zu versetzen. Wo wirklich sich eine Lockerung des Geistig/Seelischen, ja sogar der Lebenskräfte stattfindet, dass ein traumartiger Einblick in die Welt jenseits des Todes möglich wird. Das ging damals nur, dass man die Einzuweihenden an den Rand des Todes brachte. 
Diese Methoden sind für heute nicht mehr geeignet, alles was in diese Richtung geht ist heute komplett verfehlt. In diese Richtung wirken z. B. auch Drogen. Ein gewisses Maßhalten aus dem Beschluss des ICH heraus ist absolut gut, aber eine überzogene Askese z. B. zu hungern, um sich geistig zu entwickeln, ist heute ganz schädlich. Körperlich sowieso schädlich und für die geistige Entwicklung führt es in die falsche Richtung. Was wird geweckt durch überzogene Askese? Es werden die Begierden nicht abgetötet, sondern geweckt. Äußerlich unterdrückt man sie, aber man drückt sie in Wahrheit hinunter. Da unten wachsen sie. Selbst wenn der Asket es ein Leben lang schafft, sie zu unterdrücken. Sie wachsen im Untergrund. Er schult seine Kraft sie nieder zu halten. Im Untergrund werden aber triebhafte „Atombomben“ heran gezüchtet. 

In unserer Zeit heute geht es darum, die Triebkräfte nicht zu unterdrücken, sondern sie zu verwandeln, d. h. sich ihnen zu stellen, aber nicht durch eine körperliche Herausforderung, wie in der ägyptischen Zeit, sondern jetzt im rein Seelischen. Auch den Mut zu haben immer weiter hinunter zu schauen, was da schlummert. Wir haben heute keine Ahnung davon, was unter der Schwelle des Bewusstseins schlummert bei jedem Menschen (außer ganz großen Eingeweihten, die das alles schon hinter sich gebracht haben). Daher sagt R. Steiner gerade für unsere heutige Zeit: es gibt keinen Menschen auf Erden, ein paar Eingeweihte ausgenommen, der nicht zu den abscheulichsten Taten fähig sein kann. Jeder kann an der Oberfläche im bürgerlichen Privatleben ein kultivierter angesehener Mensch sein, aber unter bestimmten Umständen kommen die dunklen Triebkräfte von unten durch und können nicht beherrscht werden. Er ist denen hilflos ausgeliefert. 

Da hilft nur die bewusste Tätigkeit aus dem eigenen ICH, das ist die heutige Aufgabe. Diesen Kräften bewusst entgegenzutreten. Da fängt es an die Blickwendung vom bloßen Bewusstsein für die Außenwelt, die bei den Ägyptern begonnen hat, auch Bewusstsein in die seelisch-geistige Innenwelt zu lenken, das ist das Erste und sich auch Auseinandersetzen mit den dunklen kraftvollen Impulsen, die da schlummern. Dunkel deshalb, weil sie unterhalb der Schwelle des Bewusstseins sitzen, wir sind uns ihrer noch nicht voll bewusst, daher haben wir sie nicht unter unserer Herrschaft. Das Helle, das Geistige nennen wir das, was wir bewusst mit der Kraft des ICHs in der Hand haben, wo das ICH seine Lichtblitze aussendet und die Seelenwelt erhellt, zuerst in unserer Seelenwelt, dann die Seelenwelt draußen, die es auch gibt. 

Mit Bewusstsein da tiefer hineinzusteigen, ist heute wichtig, weil wenn wir das nicht tun, dann ist auch das geistige Bewusstsein, das für die seelisch-geistige Außenwelt erwacht, nicht davor gefeit, dass sich diese in uns unbewussten Impulse hineinmischen und das ganze Bild komplett verzerren. Wir müssen also, bevor wir ein klares Bild der geistigen Welt über und um uns bekommen, müssen wir ein klares Bild für unsere eigene seelisch-geistige Konstitution bekommen, also was alles in uns wurlt. Das Astralische ist im Grunde das noch Ungezähmte, aus dem später als erste Stufe etwas Seelisches und dann etwas noch Höheres wird. Die erste Stufe ist diese dunklen Kräfte, diese tierischen, oder sogar übertierischen Kräfte, weil sie stärker sind als die Kräfte, die bei den Tieren drinnen sind, sie sind bei uns gefesselt, aber sie sind da, das Potential ist stärker als die schlimmste äußere Bestie, der Löwe in seiner Gier ist nichts gegen den Menschen in seiner Gier, wenn die tiefsten Kräfte heraus kommen. Daher ist der Mensch potenziell die gefährlichste Bestie. 

Wir stehen heute in der Epoche, wo wir das bewusst in den Griff kriegen müssen, da fängt es an gefährlich zu werden, weil bis jetzt haben höhere geistige Mächte geholfen diese Kräfte unten zu halten. Wir hatten sehr viel Hilfe, dass wir an diese Kräfte nicht vorzeitig herankommen. Diese Hilfe in der alten Form  wird geringer, aber sie ist in höherer Form heute da, weil die Christus-Kraft in unserem ICH wirkt. Die gleiche Vollmacht des ICH, das liegt in uns. Das ist die einzige Kraft, die diese Kräfte da unten nicht nur unterdrücken, d. h. unter die Schwelle des Bewusstsein drücken kann, sondern verwandeln kann. Dieser Impuls hat begonnen mit dem Erdenleben des Christus, seither ist es möglich, dass wir Menschen daran arbeiten können. Überhaupt die geistige Welt an diesen Kräften arbeiten kann. 

Denn diese verdorbene Astralität hängt mit der Wirkung der Widersacher zusammen. Die erzeugen diese falschen Begierden. Da spielt der Luzifer eine Rolle, aber auch der Ahriman im Hintergrund. Diese Art von Kräften gibt es in der höheren geistigen Welt nicht. Astrale Kräfte an sich sind hohe, weisheitsvolle Kräfte, hängt mit der wunderbaren Ordnung der Sternenwelt zusammen, der kosmischen Weisheit, Milliarden von Sternen da draußen, alles Kolonien geistiger Wesenheiten. Die überwiegende Anzahl dieser Sterne hat wahrscheinlich auch Planeten. Jeder Planet ist Wohnort geistiger Wesenheiten. So groß ist der Kosmos. Das alles wurde durch die Tätigkeit des Christus hervorgebracht. Er ist der Weltenbaumeister, der Vishva Karman. Der Vater schwebt im Hintergrund. Wir sind mit der ganzen kosmischen Welt verbunden und die Seelenkräfte, die in diesem ganzen Kosmos wirken, die wirken auch in unserem Astralleib, aber durch die Widersacher verfälscht. Der Luzifer greift besonders den Astralleib an, der Ahriman besonders den Ätherleib, beide wirken zusammen in Kombination, mit Schädigungen bis in den physischen Leib, Zerstörungskräfte wirken bis in den physischen Leib, aber die zugleich uns die Möglichkeit geben unser kleines ICH-Bewusstsein zu entwickeln. 

Gerade indem wir während des Lebens unseren Körper vernichten und die Gottheit das zulässt, denn der Mensch ist ja nach einer ganz langen Schöpfungsgeschichte, die nicht nur die Erdentwicklung, sondern auch drei planetarische Stufen vorher umfasst, jetzt soweit, das gipfelt jetzt in unseren heutigen Menschenleib, in dem ein menschliches ICH sich seiner Selbst in Freiheit bewusst werden kann, die Gottheit lässt aber zu, damit wir dieses ICH-Bewusstsein erringen, dass wir unseren Körper während des kurzen Erdenleben vernichten. Das fängt ganz früh an, anfangs überwiegen noch die Aufbaukräfte, aber die Abbaukräfte sind auch da, der Tod liegt schon in der Wiege, oder schon vorher und geht bis zum Lebensende durch, aber dadurch entwickeln wir unser ICH-Bewusstsein. Aus dem heraus müssen wir heute anfangen, diese unteren astralen Kräfte, die so mächtig sind, wie diese Astralität draußen, wir haben in uns alle Kräfte zur Verfügung, die im Außen auch sind, der Mikrokosmos, die kleine Welt in uns, ist dasselbe Kräftepotenzial, wir können diese Kräfte individuell gebrauchen. 

Der Mikrokosmos ist der Innenraum, den die Ägypter begonnen haben erstmals zu erleben. Der Kosmos, bevor noch irgendetwas drinnen war. Kosmos als ein Leerraum, stimmt überein mit der Schöpfungsgeschichte, wie es die Kabbalisten schildern. Durch die Gottheit wird ein Raum freigegeben, in dem sich die Schöpfung entfalten kann. Dann  schlägt ein geistiger Funke ein in diesen Leerraum. Dieser Leerraum beginnt sich zu füllen mit ungeheuren Triebkräften, geistige Impulse schlagen immer wieder ein und beginnen das zu ordnen und sie zähmen die Triebkräfte, aus dem geht die Schöpfung hervor. Genau dasselbe spielt sich aber bei der seelischen Entwicklung ab. R. Steiner schildert in seinen Vorträgen über die  Schöpfungsgeschichte sehr deutlich, das erste Kapitel der Genesis, das 6-Tage-Werk, spielt sich nicht äußerlich ab, es spielt sich innerlich ab, spielt sich rein in der Seelenwelt ab, in der Astralwelt, aber im Großen. Wenn wir unser Seelisches entwickeln, spielt sich das in unserem Inneren ab, da ist zuerst der dunkle Leerraum in uns, der seelische Innenraum, da kommt etwas hinein aus unserem ICH, es blitzt hinein, Blitze erhellen und beginnen zu gestalten.

Das Geistige ist das ICH. Das Geistige besteht immer aus individuellen geistigen Wesenheiten. Da ist immer so etwas wie ein ICH-Prinzip drinnen. Jeder Gedanke ist eine geistige Wesenheit, jede Idee, jeder Denkvorgang, ich begegne einer geistigen Wesenheit. Jeder Gedanke, den ich bilde durch mein Denken, die geistige Tätigkeit ist das Denken, nicht der fertige Gedanke, der Gedanke ist das Produkt der geistigen Tätigkeit, aber im Grunde passiert dabei nichts anderes, als dass ich eine geistige Wesensbegegnung habe. Mit einem geistigen Wesen mich komplett verbinde. Aus dem heraus schaffe ich den Gedanken. Der Gedanke ist die Spur, die davon zurückbleibt im Bewusstsein aus der Begegnung. In Wahrheit ist im Denken schon die Intuition drinnen. Eins werden mit einem geistigen Wesen – für einen Moment. Geistiges spielt sich zeitlos ab, im Augenblick, im Moment. 

Wir müssen heute bewusst dieses Seelische, das von den Widersachern verdorben wurde, bewusst in den Griff bekommen. Verwandeln, das Negative auflösen und stattdessen ein positiv Astralisches wieder zu schaffen. Das ist die erste Stufe, aber halb unbewusst beginnt das bereits bei der Seelenentwicklung. Dass wir anfangen unseren eigenen Innenweltkosmos zu bilden, in dem die Schöpfungsquelle unser eigenes ICH ist, in dem wir aber vorfinden Seelenkräfte, die zunächst von außen herein genommen sind und jetzt aber von uns verwandelt werden, weil noch, jedenfalls zur ägyptischen Zeit, war unser ICH noch nicht so weit, dass es eigenes Astralisches hätte schaffen können. Sondern du wurde es von außen genommen, bildete den dunklen Untergrund, aber das ICH fängt langsam an hinein zu blitzen. Die erste Frucht ist, dass als Gegenschlag zu dieser Innenwelt, zu diesem Mikrokosmos in mir, die Außenwelt da ist, das was da entsteht nennt R. Steiner die Empfindungsseele. Da ist einerseits die sinnliche Wahrnehmung, die Sinnesempfindungen, die sich jetzt bei beginnen in Farben zu differenzieren, bei den Ägyptern stark, bei den Griechen geht es scheinbar wieder zurück, mit der Blaublindheit wird das wieder ein wenig verdunkelt, das hat einen interessanten Grund, es ist ein gewisser ahrimanischer Einschlag, der hinein kommen muss, damit später die Verstandesseele entwickelt werden kann dort bei den Griechen.
 
Die Griechen müssen das weiterführen, das heißt sie müssen kämpfen mit diesen durch die Widersacher verdorbenen Seelenkräften bzw. astralischen Kräfte, müssen diese astralischen Kräfte zu eigenen Seelenkräften umwandeln. Äußerlich kommt das in den Stierkulten zum Ausdruck. Es ging damals noch nicht, dass man sich in der Meditation hinsetzt und das rein innerlich macht. Jetzt ist das der Weg, der notwendig ist. Aber das beginnt als Möglichkeit in Wahrheit erst mit der Zeitenwende. Jetzt beginnt die Möglichkeit aus dem ICH heraus diese Kräfte aufzulösen und umzuwandeln und sogar neue Kräfte schöpferisch herein zu bringen. Gehen wir aber zurück zur Empfindungsseele der Ägypter. 

Die haben die Innenwelt, in der ein starker Kampf stattfinden muss, aber als Erlebnis haben sie in erster Linie als Gegenschlag die Außenwelt, daher das, was sie seelisch innerlich erarbeiten müssen, machen sie durch Tätigkeiten in der Außenwelt. Z. B. die Stierkulte. Der Ägypter kann nicht sich hinsetzen in eine Ecke und meditieren, sodass er seine Seelenkräfte in die Reihe kriegt, sondern er muss äußerlich tätig werden, braucht die äußere Schulung. Das ist auch die Zeit, wo die Klageweiber aufkommen. Ein Mensch ist gestorben, die Klageweiber schluchzen und heulen, damit äußerlich diese dramatische Stimmung da ist, die saugt man hinein und verinnerlicht sie. Die Menschen haben das Außen ins Seelische hineingezogen, dadurch das Seelische ausgebildet, Begräbniszeremonien sind heute immer noch ein Rest aus dieser alten Zeit. Der Trauermarsch. Wir brauchen etwas draußen, damit wir es innerlich stark erleben. Die Inder allerdings haben den Tod immer als Befreiung gefeiert mit weißen Gewändern. Das war bei den Indern nichts Negatives. 

Bei uns hat man aber das Bewusstsein mit einem gewissen Recht auf der dunklen Seite, weil die notwendig ist, um dieses Wachbewusstsein zu fördern. Wir umgeben uns heute mit lauter ahrimanischen Dingen, wie sie vor kurzer Zeit noch nicht da waren. Was ist durch die Technik alles in die Welt gekommen? Es ist darüber nichts Negatives zu sagen, weil es ist eine Notwendigkeit in unserem Zeitalter, um das Bewusstsein zu entwickeln. Überall finden wir die Technik. Die gibt’s in dem Ausmaß seit 18. – 19 Jhdt., Dampfmaschinen, die industrielle Entwicklung ist ahrimanisch, deshalb kann man es trotzdem benutzen, muss man sogar, wenn man unserem Zeitalter gerecht werden will. Es ist alles das Tote, die Schlacke, denn da wende ich den Blick zurück auf die Schlacke, das Tote, das zurückbleibt und nicht auf das Geistige, was aufsteigen kann. Das ist ein Aspekt dieses ahrimanischen Impulses, den wir heute haben, dass genau der notwendig ist, dass wir im Geistigen aufsteigen können. Er ist notwendig. Wir sollten uns nicht wünschen, dass der Ahriman besiegt wird, dann sind wir ihn los und dann sind wir endlich frei für das Geistige. Nein, dann sind wir gerade nicht frei dafür. Damit wir frei in das Geistige gehen können, braucht es genau diesen Gegenschlag. 

Nur durch diese immer vorhandene Finsternis im Untergrund, haben wir die Möglichkeit uns frei aus eigenem individuellem ICH-Impuls dem Geistigen zuzuwenden. Jeder dunkle Gegenschlag gibt uns eine Möglichkeit dazu. Was damals die Urperser als Gegensatz von Licht und Finsternis von Ormut und Ahriman hatten, das spielt sich heute in unserem Inneren ab. Ununterbrochen müssen wir uns mit beidem auseinandersetzen. Dadurch auch die Aufgabe dieser dunklen Kräfte erkennen und bewusster mit ihnen umgehen, damit beginnt die Erlösung dieser ahrimanischen Kräfte. Wenn wir beginnen die Begierden durch das ICH umzugestalten, beginnen wir den Luzifer zu erlösen, wenn wir das auf die abtötenden ahrimanischen Kräfte beziehen, dann arbeiten wir bereits mit Hilfe des Christus am Ätherleib, denn da schießt der Ahriman vor allem seine Impulse hinein, da tötet er etwas, da nimmt er Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten, die aber notwendig sind, um das Bewusstsein zu entfalten. Wir müssen lernen es zu heilen und wir können es nur heilen und damit Ahriman erlösen, in dem Grad, in dem wir es schaffen ohne Zerstörung eines körperlichen Werkzeugs dieses Bewusstsein zu behalten. 

Wir haben unser ICH-Bewusstsein im Grunde dadurch, dass wir unseren Körper zerstören. Bis ins Physische hinein. Das Ätherische wird auch angekränkelt und alles wird betroffen. Wir zerstören bis ins Physische hinein. Das hilft uns, weil das Physische dadurch als unser Spiegel für unser ICH dienen kann, damit wir überhaupt einmal zu einem Bewusstsein kommen. Wir kommen aber dadurch erstens eh nicht zu einem Bewusstsein des wirklichen ICH, sondern nur seines Spiegelbildes. D. h. das was wir im Alltagsleben unser ICH nennen, ist eigentlich nur ein Spiegelbild, und ein verzerrtes noch dazu, aber es ist eine Vorbereitung, ah, da ist wer, irgendwer schaut auf das Spiegelbild, das was wir im Alltag als ICH wahrnehmen, das ist nur ein Spiegelbild, das ist der erste Aufwachprozess: ich bin nicht das Spiegelbild, sondern ich schaue mich nur da drinnen, daher sagt R. Steiner, der richtige Ausspruch des Philosophen Descartes, der gesagt hat: „Ich denke, also bin ich!“ wäre die Erkenntnis: „Ich denke, also bin ich nicht!“ Das wäre richtig. 

Das was ich als Ergebnis meines Denkens sehe, das ist nur ein Spiegelbild. Unsere Gedanken sind nur ein Spiegelbild – nicht die geistige Realität. Da sind die Punkte drin für die Aufgabe, die wir heute haben, die Bewusstseinsseele zu entwickeln und sie auf das Geistige zu richten. Wenn wir sie aufs Äußere nur richten, das ist sozusagen der letzte Schliff für das, was wir in der ägyptischen Zeit begonnen haben. In der ägyptischen Zeit war das Bewusstsein für die Außenwelt schon da, aber natürlich lange noch nicht so wach, wie wir es heute haben. Heute ist es extrem wach. Heute fühlen wir uns stark getrennt von der Außenwelt. Immer noch nicht zu 100 Prozent, wie wir bei den Begräbniszeremonien gesehen haben, wo uns das ganze Brimborium immer noch hilft, es innerlich stark genug zu erleben. 

Frage einer Teilnehmerin: „Oder in seiner ganzen Tiefe wahrzunehmen. Am Anfang verdrängt man es ja, was das Endgültige ist beim Sterben, das verdrängt man.“ Das wird auch lange noch seine Bedeutung behalten, aber es wird irgendwann verschwinden. Dann wenn wir es in unserem rein seelischen Erleben bewältigen können. Das geht nur wenn wir stufenweise hinuntersteigen und genau diese Dinge, die wir jetzt verdrängen, oder sogar von den höheren geistigen Mächten verdrängt wurden, weil bei den gefährlichsten Sachen hilft uns die geistige Welt immer noch ohne unser Zutun, dass die Kräfte, mit denen wir überhaupt noch nicht fertig werden würden, im Normalfall, wenn nicht die Widersacher total störend eingreifen, dass die unten gehalten werden. Das sind nicht wir, die das schaffen. Da haben wir Hilfe dabei. 

Christus mutet uns nur das zu, was wir auch bewältigen können, woran wir auch scheitern können, dann kommt ein nächster Durchgang, aber was wir bewältigen können. Wir werden also schicksalsmäßig im Normalfall nicht mit etwas konfrontiert, das wir nicht als Individualität als geistiges Wesen bewältigen können. Es geht ganz individuell bis an die Grenze des erträglichen, was für den einen fast unerträglich ist, irritiert den anderen nicht. Aber die Widersacher können hineinfunken und dann kann es gefährlich werden, besonders dann wenn das Individuelle ausgeschaltet wird. Christus kann uns dort helfen, wo das ICH eine gewisse Bereitschaft hat sich zu entwickeln. Dort wo das ICH diese Bereitschaft nicht hat, da haben die Widersacher eine große Kraft hineinzuwirken. Wenn man bedenkt, was in der NAZI-Zeit passiert ist, wo Menschen systematisch dorthin geführt wurden, dass diese Kräfte herausgeholt wurden. Ganz raffiniert. Kräfte, die bei jedem schlummern drinnen. Wo viele es nicht geschafft haben, dem zu widerstehen, aus verschiedensten Gründen, Angst, aus Patriotismus, usw. 

Idealistische Impulse, wenn sie nicht aus ganz klarem wachem nüchternem ICH-Bewusstsein kommen, können brandgefährlich sein. Die gefährlichsten Leute sind die Weltverbesserer aus fanatischen idealistischen Impulsen, weil sie erzwingen wollen, dass die Welt, nachdem was sie glauben erkannt zu haben, geändert wird. Sie erkennen dabei nicht ihre eigene Einseitigkeit. In Wahrheit bringt es großen Schaden. Der fanatisierte Idealismus ist kein wirklicher Idealismus, sondern etwas total Luziferisches. Man begeistert sich an der eigenen Idee und merkt nicht, dass die Idee noch ein Krüppel ist. Wir neigen heute unheimlich dazu, weil ein Punkt der Bewusstseinsseelenentwicklung, sofern sie nach außen gerichtet ist, nur am äußeren hängt, neigt zur Illusion. Wir täuschen uns über der Wirklichkeit, die Täuschung wird jetzt in schnellen Schritten immer stärker. Unsere Technik trägt mit dazu bei. Nachrichten, Berichte, aus dem Fernsehen, ist das die Wirklichkeit? 

Es ist aus dem Zusammenhang heraus gerissen. Es wird viel manipuliert. Wie wach leben wir gegenüber der Natur in unserer modernen Welt? Viele stehen nur der Technik gegenüber. Oder wir schauen es an im Mikroskop, oder durch das Fernrohr. Das ist nicht die Wirklichkeit, es ist die Spiegelung der Spiegelung der Spiegelung. Damit beginnt, das was wir jetzt noch als Realität empfinden, das versinkt in Illusion, der Tisch ist Realität, keine Wirklichkeit, aber hinein spintisieren in Atomwelt, in die Molekülwelt und sie mir vorstelle wie die Dinge der Welt, dann komme ich in eine Illusion. Die Naturwissenschaft hat erkannt, dass diese Dinge nur eine Illusion sind. Die Bilder, die wir uns machen, die machen wir uns, wir lagern uns unsere Vorstellungsbilder über die Wirklichkeit drüber, das hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Das wirkliche seien die Atome dahinter, das war im 19. Jhdt. das Gängige und hat sich bis heute gehalten. 

Atome sind keine Realität, sie sind vielleicht eine Wirklichkeit, weil etwas wirkt, aber Dinge sind sie nicht. Das Denken war lange so, dass die großen Dinge durch diese kleinen Dinge erklärt werden können. Die Naturwissenschaft glaubt, damit etwas erklären zu können. Ein Tisch ist ein bis zur Realität verdichtetes Spiegelbild, aber nicht mehr. In Wahrheit nicht vorhanden. Für die Praxis sind sie verwendbar, Gott sei Dank, der Tisch, der Sessel, sonst könnten wir hier nicht sitzen. Aber nicht bei Betrachtung aus der geistigen Perspektive. Aus der geistigen Perspektive sehen wir, dass das nur eine vorübergehende Art ist, die Welt zu erleben, damit wir bestimmte Seelenfähigkeiten entwickeln. Wir hatten die Spiegelung der ägyptischen Zeit mit der Empfindungsseele, wo immer mehr das Bewusstsein hinaus wächst in die sinnliche Welt, dann eine Blüte erlebt in der griechisch-lateinischen Zeit, im sinnlichen Genuss, die Griechen finden die sinnliche äußere Welt ästhetisch und schön und gut, die Römer sehen mehr den sinnlichen Genuss, da ist ein gewisser Höhepunkt, dann geht’s weg schon wieder durchs ganze Mittelalter hindurch, da ist die  Auseinandersetzung mit der Außenwelt sehr reduziert. Man sucht mehr eine gedankliche oder gefühlsmäßige Verinnerlichung. Im Christentum kommt eine Verinnerlichung, das innere Erleben, der Glaube. Im Gefühlsleben, in meiner Mitte, habe ich die Gewissheit des Göttlichen = Glaube, ich erlebe sie, man erlebte es anders als der heutige Mensch, heute sagt man: man muss es glauben, weil man es nicht wahrnehmen kann. Im Mittelalter hat man das Geistige sehr wohl erlebt, aber der Mensch konnte es nicht in klare Gedanken fassen. Dass es da ist und dass es wirkt, das war der Inhalt des Glaubens. Das war Wirklichkeit, nicht Realität. 

Das geht so hinauf bis zum Ende des Mittelalters, Hochblüte in der Scholastik, Denker wie Thomas von Aquin, der das stark hat, aber auch stark den Intellekt hat, der aber natürlich an der Kippe ist, dieses Erlebnis aus der Mitte zu ertöten. Das ist der nächste Schritt. Thomas von Aquin ist deswegen so genial, weil er hat noch beides, er hat diese absolute Glaubenssicherheit drinnen und auch den logisch gebildeten Verstand. Damit bringt er das was die mittlere Epoche, die griechisch-lateinische Zeit, die geht bis zum Beginn der Neuzeit, also bis zum Ende des Mittelalters, dort kommt es zur Blüte bei Thomas von Aquin, die Verstandes- und Gemütsseele kommt zur Blüte, das ist es was diese mittlere Epoche entwickelt. Die Ägypter die Empfindungsseele, die griechisch-lateinische Zeit die Verstandes- und Gemütsseele. 

Auch wenn Aristoteles mit der Logik beginnt, und damit schon in genialer Weise eine Vorgriff macht, auf das was später kommen wird. Wenn ich nur logisch vorgehe, dann erstirbt es. Dann ist es das Denken, was man heute versucht mit Hilfe der Computer zu simulieren. Das basiert nur mehr auf Regeln. Ich kann sogar eine Scheinkreativität erzeugen, indem ich einen Zufallsgenerator einbaue, dann ist das Ergebnis von außen nicht mehr vorhersehbar, erscheint dann als wäre es kreativ, in Wahrheit aber nur eine der möglichen Kombinationen und völlig geistlos. Auf diese Weise können heute Bilder gemacht werden im Stil eines alten Meisters, da können optisch Experten nicht unterscheiden ob sie echt sind oder nicht. Das ist der reine abgestorbene Verstand. 

An der Grenze vom Mittelalter zur Neuzeit kriegt das Absterbende des Verstandesdenkens voll die Überhand zu gewinnen. In der griechisch-lateinischen Zeit war es noch gesund, weil es Verstandes- und Gemütsseele war. Wenn ich von der Verstandes- und Gemütsseele die Gemütsseele wegstreiche, dann ist aus dem Denken, aus dem Verstandesdenken etwas völlig Unwirkliches geworden. Solange sie zusammen waren, war die Wirklichkeit drinnen, weil die über das Gemüt hineingeströmt ist. Da ist die geistige Wirklichkeit immer noch hinein gekommen. Wenn ich es abtrenne, und das ist heute der Fall, muss auch der Fall sein, weil sich Denken, Fühlen, Wollen separieren müssen, dann ist der Verstand etwas völlig Ausgehöhltes und führt daher immer mehr in die Illusion. Das geniale an den Naturwissenschaften, die da immer mehr hinein gehen, ist, dass sie merken, dass ist alles Illusion, ein Modell, nur Modelle der Wirklichkeit.

Wir haben nun die drei wesentlichen Seelenglieder durch, und haben angedeutet, dass es heute die Aufgabe ist die Bewusstseinsseele zu entwickeln und vor allem in Richtung des Geistigen zu lenken. Das Verstandesmäßige ist abgestorben, Technik kann ich damit gut machen. Der schöpferische Impuls muss von woanders kommen. Ohne geistigen Impuls ist es sinnlos, das ist heute das Wichtige. Das was in der Apokalypse steht, setzen wir heute mit der Anthroposophie fort. Ein bewusstes Erfassen dessen, wie wir weiter zu wirken haben geistig für die Zukunft. Ganz bewusst, ganz wach.

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